Partizipation Leben in Kindergarten und Grundschule

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IFK Vehlefanz e.V. - Institut für angewandte Familien-, Jugend- und Bildungssoziologie an der Universität Potsdam

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KIWIE-KIT (Kindliche Wahrnehmung von Interaktion mit Erziehungspersonen)

Auf Grund von Besonderheiten bei der Befragung fünf- bis zehnjähriger Kinder wurde im Rahmen der Projektarbeit der Prototyp eines spielbasierten computergestützten Gruppenbefragungsverfahrens (KIWIE-KIT) entwickelt. In seiner Handhabung wurde das Verfahren an die motorischen und sprachlichen Kompetenzen jüngerer Kinder angepasst.

Gegenstand der Kinderbefragung mit dem KIWIE-KIT

Mit dem Verfahren KIWIE-KIT werden den Kindern Fragen zu ihrer Wahrnehmung bezüglich der Erziehungsperson-Kind-Interaktion sowie zu ihren Erfahrungen mit Partizipation in der Einrichtung gestellt. Weiterhin wird erfragt, wie das allgemeine Wohlbefinden in der Kita oder in der Grundschule ist. Insgesamt umfasst der Fragenkatalog 36 Fragen, die folgendermaßen strukturiert sind:

  1. Qualität der Erziehungsperson-Kind-Interaktion: 23 Fragen beziehen sich darauf, wie die Kinder das Verhalten der pädagogischen Fachkräfte in pädagogisch bedeutsamen Routinesituationen einschätzen. Der Befragungsleiter stellt Fragen zu:
    • Kooperationssituationen (das Kind möchte in eine Tätigkeit einbezogen werden),
    • Problemsituationen (das Kind hat Schwierigkeiten bei einer zielgerichteten Tätigkeit und benötigt Hilfe),
    • Konfliktsituationen (das Kind will Verhaltensforderungen nicht befolgen),
    • Kummersituationen (das Kind braucht Trost) und
    • Spaßsituationen (es wird gefragt, ob sich die Fachkräfte humorvoll verhalten und sich an Aktivität der Kinder beteiligen).
  2. Kindliche Erfahrungen mit Partizipation in der Einrichtung: neun Fragen beziehen sich auf:
    • "Kommunikation über Regeln und Alltagsgestaltung"(ob mit den Kindern in der Institution über Themen, die sie betreffen, gesprochen wird) und
    • "Aktive Mitwirkung an der Alltagsgestaltung" (ob die Kinder an der Alltagsgestaltung teilhaben).
  3. Generalfragen: vier Generalfragen, die zu Beginn bzw. am Ende der Befragung gestellt werden, geben Auskunft darüber, ob sich die Kinder grundsätzlich wohl in der Einrichtung fühlen und ob sie zufrieden mit ihrer Betreuung sind. Die Abbildung zeigt den Aufbau der Befragung mit dem KIWIE-KIT überblicksartig.
Inhaltsbereiche des KIWIE-KIT
Inhaltsbereiche des KIWIE-KIT

Zu Beginn der Befragung gibt es zusätzlich zu dem oben dargestellten Fragekatalog eine Frage zum Geschlecht des Kindes ("Bist du ein Junge oder ein Mädchen?") und fünf Kontrollfragen z.B. "Isst du im Sommer gern Eis". Der vollständige Fragekatalog befindet sich im Anhang. Anhand der Kontrollfragen kann der Befragungsleiter das Antwortformat mit den Kindern einüben. Darüber hinaus lässt sich am Antwortverhalten auch das Bedienverständnis der Kinder erkennen.

Bei der Befragung kommen geschlossene Fragen mit vorgegebenen Antwortmöglichkeiten zum Einsatz. Die Antworten der Kinder erfolgen per "Drag & Drop", d.h. durch das Verschieben von virtuellen Antwortkarten in bereit gestellte virtuelle Antwortkästen. Die vorgegebenen Antwortkategorien zu den Fragen zur Erziehungsperson-Kind-Interaktion und zu den Erfahrungen mit Partizipation in der Institution sind auf einer vierstufigen Häufigkeitsskala angeordnet, und die Generalfragen werden mit Hilfe von vier unterschiedlichen "Smileys" beantwortet:

oft
= "Oft"
sehr gern
= "Sehr gern" / "Sehr wohl"
manchmal
= "Manchmal"
ein bisschen gern
= "Ein bisschen gern" / "Ein bisschen wohl"
selten
= "Selten"
nicht so gern
= "Nicht so gern" / "Nicht so wohl"
nie
= "Nie"
ueberhaupt nicht gern
= "Überhaupt nicht gern" / "Überhaupt nicht wohl"

Den Antwortkategorien wurden Werte von "1" bis "4" zugeordnet:
"1" = "Nie" oder "Überhaupt nicht gern"/"Überhaupt nicht wohl",
"2" = "Selten" oder "Nicht so gern"/"Nicht so wohl",
"3" = "Manchmal" oder "Ein bisschen gern"/"Ein bisschen wohl",
"4" = "Oft" oder "Sehr gern"/"Sehr wohl".

In aller Regel werden Gruppen von acht bis zehn Kindern befragt, wobei inklusive Vor- und Nachbereitungszeit insgesamt mit anderthalb Stunden gerechnet werden muss. Den Kindern wird zu Befragungsbeginn erklärt, dass sowohl die pädagogischen Fachkräfte als auch die Eltern daran interessiert seien zu erfahren, ob die Kinder sich wohlfühlen. Die pädagogischen Fachkräfte sind bei der Befragung nicht anwesend, um Loyalitätskonflikte zu vermeiden.

Ablauf der Kinderbefragung

Der KIWIE-KIT ist ein spielbasiertes, computergestütztes und vorrangig interaktionsdia-gnostisches Befragungsverfahren. Für die Befragung werden Tablet-PCs mit Touch-Screens (Clients) verwendet, die mit dem Computer des Befragungsleiters (Server) durch ein drahtloses WLAN-Netzwerk verbunden sind. Die Antworten der Kinder werden direkt in einer Datenbank auf dem Server des Befragungsleiters gespeichert und für die statistische Auswertung aufbereitet. Für die Gerätebedienung benutzen die Kinder einen Stift oder ihre Finger.

Der Befragungsleiter kann die Befragungssituation anhand seines Servers überblicken und kontrollieren. Falls erforderlich kann er in den Befragungsablauf eingreifen z.B. können einzelne Kinder ihre Antworten korrigieren. Dazu können die Antworten einzelner Clients auf Wunsch der Kinder gelöscht und wieder freigeschaltet werden.

Screenshots vom Kinder-PC (Client) bei der Frage nach dem Geschlecht der Kinder
Screenshots vom Kinder-PC (Client)
bei der Frage nach dem Geschlecht
der Kinder

Zunächst stellt der Befragungsleiter die Frage: "Bist Du ein Junge oder ein Mädchen?". Nach Freischaltung durch den Befragungsleiter ist diese auch auf dem Bildschirm des Clients zu sehen und füllt diesen ganz aus. Durch Antippen der entsprechenden Bildhälfte auf dem Monitor kann jedes Kind sagen, ob es ein Junge oder ein Mädchen ist.

Es folgt dann eine Generalfrage ("Bist Du gerne in der Kita/Schule?"). Das dazugehörige Bild bedeckt zunächst den gesamten des Client-Bildschirm, so dass der Befragungsleiter mit den Kindern darüber sprechen kann. Nach Freischaltung der Frage durch den Befragungsleiter wird das Bild zur Generalfrage kleiner dargestellt. Zusätzlich sind die Antwortkarte und die Antwortkästen dargestellt. Die Kinder können nun antworten. Es gibt vier Antwortmöglichkeiten vom Punktwert 4 für die höchste ("größtes Lächeln") bis zum Punktwert 1 für die geringste Zustimmung ("größte Unzufriedenheit").

Screenshots vom Kinder-PC bei der Generalfrage zur Zufriedenheit mit der Institution Screenshots vom Kinder-PC bei der Generalfrage zur Zufriedenheit mit der Institution
Screenshots vom Kinder-PC bei der Generalfrage zur Zufriedenheit mit der Institution
Screenshots vom Kinder-PC mit Erziehungspersonen-Avataren
Screenshots vom Kinder-PC mit
Erziehungspersonen-Avataren

Die zweite Frage des KIWIE-KIT bezieht sich auf die Erziehungsperson der Kinder. Die Kinder werden befragt, ob sie gern mit dieser zusammen sind. Im Sinne des Skriptansatzes werden Erzieher/innen- bzw. Lehrer/innen-Avatare gezeigt, von denen die Kinder per Drag & Drop den Avatar aussuchen sollen, dessen Aussehen ihrer realen Erziehungsperson am nächsten kommt. Die Wahl des Avatars wird farblich gekennzeichnet.

Die ausgewählte Erziehungsperson erscheint dann im weiteren Befragungsverlauf bei den Fragen zur Erziehungspersonen-Kind-Interaktion jeweils auf dem Client-Bildschirm. Die Abbildungen verdeutlichen dies an Hand einer Frage aus dem Bereich der Kooperationssituationen. Im Sinne des Skript-Ansatzes werden die Kinder vor den Fragen zu den einzelnen Situationen durch ein Bild in die jeweilige Situationsklasse eingeführt. Nach der Freischaltung der einzelnen Fragen durch den Befragungsleiter wird das Situationsbild verkleinert, hinzu kommt der Erziehungsperson-Avatar. Die Abbildung unten links zeigt den Bildschirm eines Mädchens mit dem Erziehungsperson-Avatar in einer Kooperationssituation, und auf der Abbildung unten rechts ist der Bildschirm eines Jungen zu sehen.

Kinder-PC (Mädchen) bei Fragen zu Kooperationssituationen in der Erziehungsperson-Kind-Interaktion Kinder-PC (Junge) bei Fragen zu Kooperationssituationen in der Erziehungsperson-Kind-Interaktion
Screenshots von zwei Kinder-PCs (A = Mädchen, B= Junge) bei Fragen zu Kooperationssituationen in der Erziehungsperson-Kind-Interaktion

Nach Beantwortung weiterer Fragen zur Erziehungsperson-Kind-Interaktion geht es um die Erfahrungen der Kinder mit Partizipation in ihrer Institution. Sechs Fragen beziehen sich auf Kommunikation über Regeln und die Alltaggestaltung (z.B. "In unserer Kita/Schule wissen die Kinder, was sie dürfen und was nicht") und drei Fragen auf die aktive Mitwirkung an der Alltaggestaltung (z.B. "Wenn in unserer Kita/Schule ein Projekt stattfindet, dürfen die Kinder mitbestimmen, was gemacht wird"). Wieder gibt es zunächst ein Situationsbild, das den Client-Bildschirm ganz bedeckt; nach der Freischaltung einzelner Fragen durch den Befragungsleiter erscheint auf dem Client-Bildschirm ein verkleinertes Situationsbild, das um die Antwortkarte und die Antwortkästen ergänzt wird. Das Kind zieht per Drag & Drop die Antwortkarte in das gewünschte Antwortkästchen.

Screenshots vom Kinder-PC mit dem KIWIE-Pferd
Screenshots vom Kinder-PC
mit dem KIWIE-Pferd

Nach jeder Antwort durch die Kinder erscheint auf dem Client-Bildschirm das "KIWIE-Pferd" und bewegt sich mit zunehmender Versuchsdauer immer weiter vorwärts. Nach der Beantwortung der letzten Frage darf das Pferd zur Belohnung eine Blume fressen und signalisiert so das Versuchsende.


Weitere Informationen

Weitergehende Informationen

Der gesamte Fragenkatalog des KIWIE-KIT auf einem Blick.
Zum Fragenkatalog

Kooperationspartner

Partner

  • Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
  • Vielfalt tut gut
    Gefördert im Rahmen des Bundesprogramms „VIELFALT TUT GUT“. Jugend für Vielfalt, Toleranz und Demokratie.
  • Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur
  • Tolerantes Brandenburg
  • Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg